Monatsarchiv: Mai 2018

Warum gibt es nicht mehr Produkte in Pfandgläsern?

Diese Frage stelle ich mir sehr oft. In meinem Einkaufsumfeld bekomme ich Milch, Joghurt, Schlagsahne, Honig, Quark (sehr selten) und Essig (die denree Eigenmarke von Denns Bio). Das war es dann auch schon. Bei allen diesen Pfandgläsern ist zu wissen, dass ausschließlich die Gläser wieder verwendet werden, die Deckel werden recycled aber nicht erneut verwendet.

Ich habe mich daher an zwei Hersteller von leckeren Brotaufstrichen und anderen Leckereien gewandt und sehr nette und aufschlußreiche Antworten erhalten. Hier die Antwort von Zwergenwiese:

Die Firma ZWERGENWIESE gehörte 1976  zu den Gründungsmitgliedern der AFA (Arbeitsgemeinschaft für Abfallvermeidung) und war somit der Mitinitiator des Mehrwegsystems. Wir hatten in den vergangenen Jahren gemeinsam mit unseren Mitbewerbern allergrößte Anstrengungen unternommen, um ein funktionierendes Mehrwegsystem für den Naturkostmarkt bundesweit zu installieren. Dieses Bemühen ist leider Ende 1998 gescheitert und alle Partner des Mehrwegsystems haben sich für das bundesweit bereits existierende und auch gut funktionierende Glasrecycling  entschieden.

Wir betrachten diese Entwicklung mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn einerseits gehörte es zu den Idealen der Naturkosthersteller andere und ökologisch sinnvollere Wege zu beschreiten, aber anderseits macht es wenig Sinn, leere Gläser quer durch Deutschland zu transportieren, mit einem enormen Einsatz von Chemie wieder zu säubern und dann wieder quer durchs Land zu den einzelnen Herstellern zu fahren. Es gab nur zwei Spülstellen in Deutschland und es ist darüber hinaus auch so wenig leeres Glas vom Endverbraucher zurückgegeben worden, dass die Einrichtung weiterer Spülstellen finanziell nicht möglich war und auch gleichzeitig die gesetzlich vorgeschriebenen Rücklaufquoten nicht erfüllt wurden.

Da ist es durchaus ökologisch sinnvoll, das regional und bundesweit existierende Recycling zu nutzen und die Glasscherben einer neuen Einschmelzung bei den Glashütten zuzuführen, denn das Schmelzen von Altglas schont Naturreserven und benötigt weniger Energie als eine Schmelze aus Quarzsand.

Aber, das muss hier auch deutlich gesagt werden: Es gibt unseres Wissens keine Ökobilanz, die diese beiden Varianten miteinander vergleicht und in beiden Fällen wird der Deckel des Glases einer stofflichen Verwertung zugeführt.

Die Glasverpackung für ein Lebensmittel  halten wir für die ökologisch sinnvollste Verpackung und werden auch in Zukunft diese Verpackungsform beibehalten.

Unsere Gläser eignen sich auch prima zur Aufbewahrung von Gewürzen, Nüssen oder ähnlichem. Viele unserer Kunden nutzen sie auch für Eingekochtes, Aufstriche, Chutneys oder für Dekozwecke. Sie können die Gläser für sich verwenden oder in Ihrem Familien- und Bekanntenkreis weiterreichen.

Wir versichern Ihnen, dass unsere ZWERGENWIESE Produkte mit viel Liebe entwickelt wurden, dass wir diese Produkte in unserem Hause nach guter handwerklicher Kunst mit Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt herstellen und unsere MitarbeiterInnen täglich Freude und Engagement aufbringen, um unsere Kunden zufrieden zu stellen.

Und hier die Antwort von Rapunzel:

Vielen Dank für Ihre Nachricht und für Ihre Frage. Ich kann gut nachvollziehen, dass Sie sich ein Mehrwegsystem für die anfallenden Gläser wünschen. Wir bei Rapunzel haben uns tatsächlich auch schon mit Pfand anstatt Recycling befasst. Gerne nehme ich Sie mit auf eine kleine Zeitreise: Rapunzel und andere Bio Hersteller hatten etwa Anfang der Neunziger Jahre die Idee eines Bioladen-eigenen-Pfandsystems. Es hieß AFA, Acht für Alle (8 Mehrweggläser/Glasgrößen, die alle Hersteller verwendeten). Es gab zu diesem Zeitpunkt 3 Spülstellen in Deutschland, bei Allos (bei Münster), Bruno Fischer (Raum Köln) und bei Rapunzel im Allgäu.

Zu dieser Zeit gab es nur Pfand zwischen Endverbraucherkunden und Läden – nicht zum Hersteller wie dies ja in einem richtigen Mehrwegsystem ist. Es gab auch keine Transportkisten, es fehlte an vielem. Der hohe Anteil z.T. so schmutziger, angeschlagener, noch nicht mal vorgespülter Gläser, die wir per Hand aussortierten und gleich im Altglas entsorgen mussten war sehr hoch. Wir dachten, dass Biokunden das Mehrwegsystem unterstützen und wenigstens einigermaßen saubere Gläser zurückgeben…

Zurück zum AFA Projekt: Ein Hauptgrund für das Scheitern des Mehrwegsystems AFA lag in den Spülstellen. Spülstelle bedeutet ja nicht nur eine Gewerbespülmaschine, sondern ist technisch sehr aufwändig, braucht Personal und die notwendige Logistik, nicht zu vergessen eine eigene Buchhaltung, wer wann wie viele Gläser in den Pool hinein gibt und wieder aus dem Pool heraus nimmt etc. Abgesehen von der Produktsicherheit, sprich, wie oft kann man ein Glas spülen und wieder einsetzen.

Rapunzel hat lange durchgehalten und die letzte verbliebene Spülstelle in Deutschland betrieben bis auch wir dann entschieden, das Projekt zu beenden und nicht mehr zu spülen, weil es keinen Sinn macht, schmutzige Gläser von Kiel ins Allgäu zu fahren, dort zu spülen, nach Italien zu fahren um sie befüllen zu lassen (z.B. bei Tomatensaucen), um sie dann wieder in einem Naturkostladen in Norddeutschland zu verkaufen.

Mittlerweile gibt es unabhängige Untersuchungen und Bilanzen, die nachweisen, dass Pfand- und Mehrweg-Systeme nur auf regionaler Ebene auch ökologisch sind. Dazu zählen z.B. Molkereiprodukte. Bitte führen Sie die nicht benötigten gespülten Rapunzel Gläser mit gutem Gewissen dem Altglas-Recycling zu. Wenn Sie wieder eine Frage oder eine Anregung zu unseren Produkten haben, melden Sie sich. Wir sind gerne für Sie da!

Danke an Rapunzel und Zwergenwiese für die prompte und freundlich sowie aufschlussreiche Antwort!

Also bleibt es dabei, dass Glas für mich die bessere Alternative zu Dose oder PET bleibt. Wie handhabt ihr das?

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Kategorien: Nachgefragt und Nachgeforscht, Produktinfos und -entdeckungen | 3 Kommentare

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